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Arbeitspapier · In Arbeit

Stipendienabschöpfung, Hope Trafficking und die Architektur selbstzufriedener Banalität in der Internationalisierung der türkischen Hochschulbildung

Muhammad Ahmed Saadan Qasmani und Osman Gültekin


Abstract

Der Aufstieg von Türkiye zu einem führenden Ziel für internationale Studierende — ein rund neunfacher Anstieg binnen eines Jahrzehnts auf mehr als 356.000 Studierende, geschätzte drei Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und ein staatliches Ziel von 500.000 bis 2028 — wird offiziell als Triumph der Internationalisierung und der Soft Power erzählt. Dieser Beitrag dokumentiert eine Korruptionsarchitektur unterhalb dieser Erzählung, die er als Stipendienabschöpfung bezeichnet: die Umleitung institutioneller Stipendienkontingente, die als Instrumente des Verdienstes vorgesehen sind, in einen kommerziellen Kanal, in dem sie als Sachprovision an Vermittlungsagenturen fungieren und anschließend selbstzahlenden Familien als ermäßigte Studiengebühr weiterverkauft werden, fälschlich beschrieben als Verdienst. Auf Grundlage einer Innenperspektive aus dem Vermittlungssektor, eines Korpus öffentlicher Agenturwerbung und amtlicher Einschreibestatistiken rekonstruiert der Beitrag den Mechanismus über drei zusammenlaufende Beweisebenen. Er entwickelt einen zentralen theoretischen Beitrag: selbstzufriedene Banalität, eine Erweiterung von Arendts Darstellung administrativer Gedankenlosigkeit, in der die handelnde Person nicht ängstlich und gehorsam ist, sondern stolz und unternehmerisch und die Beteiligung am Schaden als Kompetenz erlebt. Er argumentiert weiter, dass Hope Trafficking — die systematische Fehlvermarktung von Chancen, die jenes Studierendenvolumen erzeugt, das die Stipendienprämie einbringt — und das Alleinlassen der Studierenden nach der Ankunft in Verhältnissen rassifizierter Marginalisierung keine getrennten Phänomene sind, sondern Ein- und Austrittswunde ein und desselben Anreizes, innerhalb dessen die studierende Person weder Kundin noch Begünstigte ist, sondern ein Inhaberpapier, dessen Lieferung die Zahlung auslöst. Die Analyse steht im Feld des akademischen Kapitalismus, der Korruptionssoziologie und der politischen Ökonomie von Zertifikatssystemen und mobilisiert Marx, Weber, Durkheim, Bourdieu, Fanon und Akerlof neben gegenwärtiger Forschung. Sie kommt zu dem Schluss, dass diese Korruption keine planende Urheberschaft hat, sondern nur eine Drift, strukturell erzeugt und ideologisch vorab freigesprochen, und schlägt eine Architektur aus Register, Lizenzierung und Treuhand vor, die auf das Design des Marktes zielt und nicht auf sein Personal.

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Inoffizielle Übersetzung. Das veröffentlichte Abstract ist auf Englisch.

Selling Merit

Scholarship Capture, Hope Trafficking, and the Architecture of Self-Congratulatory Banality in the Internationalisation of Turkish Higher Education

Türkiye's emergence as a leading destination for international students (a roughly ninefold rise in a decade to more than 356,000 students, an estimated US$3 billion in annual revenue, and a state target of 500,000 by 2028) is narrated officially as a triumph of internationalisation and soft power. This paper documents a corruption architecture operating beneath that narrative, which it terms scholarship capture: the diversion of institutional scholarship allocations, mandated as instruments of merit, into a commercial channel in which they function as commission paid in kind to recruitment agencies and are then retailed to self-financing families as discounted tuition misdescribed as merit. Drawing on insider ethnography within the recruitment sector, a corpus of public agency advertising, and official enrolment statistics, the paper reconstructs the mechanism across three converging evidentiary scales. It advances a primary theoretical contribution: self-congratulatory banality, which is an extension of Arendt's account of administrative thoughtlessness in which the functionary is not fearful and obedient but proud and entrepreneurial, experiencing participation in harm as competence. It further argues that hope trafficking, the systematic mis-marketing of opportunity that generates the student volume which earns the scholarship reward, and the post-arrival abandonment of students into conditions of racialised marginalisation are not separate phenomena but the entry and exit wounds of a single incentive, within which the student is neither client nor beneficiary but a bearer instrument whose delivery triggers payment. The analysis is situated within academic capitalism, the sociology of corruption, and the political economy of credential systems, mobilising Marx, Weber, Durkheim, Bourdieu, Fanon, and Akerlof alongside contemporary scholarship. It concludes that the corruption has no orchestrating author; only a drift, structurally generated and ideologically pre-absolved, and proposes a registry-licensing-escrow architecture directed at the design rather than the personnel of the market.

Schlagwörter

  • Internationalisierung der Hochschulbildung
  • Korruption
  • Bildungsagenturen
  • Stipendien
  • Türkiye
  • akademischer Kapitalismus
  • Banalität des Bösen
  • Soft Power

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